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Willkommen auf der Homepage
von Professor Dr. Feininger




 

Warum es mir so viel Freude macht, Altes Erstes Testament zu unterrichten?

Ich zitiere einige Antworten meines akademischen Lehrers Prof. Alfons Deissler. Er hat in einem Interview auf die Frage geantwortet: „Wozu brauchen wir das AT?" Folgende Anregungen: Er verweist auf Paulus: „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich" (Röm 11,18) und meint damit: die Beschäftigung mit dem EAT gehört zur Elementarpädagogik der Christen, ohne die die Basis fehlt und das Verständnis, selbst für das Innere des Erlösungsgeheimnisses unserer Religion:

„Das Stiftungswort des Neuen Bundes, das Kelchwort der Eucharistiefeier, besteht aus drei alttestamentlichen Elementen: ‚Dies ist das Blut des Bundes’ (Ex 24,8) - ‚des Neuen und Ewigen Bundes’ (Jer 31,31) - ‚vergossen für die Vielen zur Vergebung der Sünden’ (Zusammenfassung aus Jes 53): Gerade für das Zentrum christlichen Glaubens und Lebens liegen die allernächsten Prämissen im EAT". Und er fährt fort: „Ohne das EAT trübt sich leicht die religiöse Sicht auf das Ganze der Welt und der Menschen".



 Das erste Wort der Hebräischen Bibel, "Am Anfang..." (schuf Gott den Himmel und die Erde, Gen.1,1)
                                                         

Ich selber spreche in einem Aufsatz von 2002 vom EAT als dem „Buch des Lebens". Es erzählt von den großen Mythen des Anfangs (Schöpfung), vom Zuspruch und den Geschenken Gottes, vom gemeinsamen Weg Gottes mit den Menschen, von seinen lebenspendenden Geboten und Weisungen (Tora), aber auch von Sünde und Verfehlung. Gott ist der Geheimnisvolle, Erhabene und Jenseitige (Jes 6, 1ff) aber auch der, der unser Rufen hört und uns begleitet (Ps 23): „Das Buch des Lebens, ausgelegt in den (polaren) Feldern des Lebens: Freude und Trauer, Zuversicht und Angst, Hoffnung und Entmutigung, Erinnern und Vergessen, Liebe und Enttäuschung, Zuspruch und Vergebung, vor allem aber: ausgelegt hin auf Vertrauen in die Nähe Gottes in seinem Wort, das bereit ist, mit uns zu gehen auf unserem Weg. Dafür den Boden zu bereiten ist Aufgabe der Arbeit am Ersten Alten Testament".

Ähnlich drückt das Erich Zenger aus, einer der bekanntesten kath. „Alttestamentler" unserer Zeit: „Fremd und doch faszinierend, längst vergangen und doch lebendig … zwischen seiner Welt und unserer Welt liegen „Welten". Aber wer sich auf eine Entdeckungsreise einlässt, begegnet den vielen Gesichtern von Leben und Tod, den Erfahrungen, die Menschen mit Gott und miteinander gemacht haben, der dunklen Seite des Lebens mit Unrecht und Schuld wie der hellen Seite des Guten und der Hoffnung". Zenger hat seine Sicht im Vorwort zu dem Buch „Lebendige Welt der Bibel" zusammengefasst:

 

Das Alte Testament ist das große Buch über Gott und die Welt, über die vielen Gesichter, mit denen das Leben und der Tod auf die Menschen zukommen, und vor allem über die Erfahrungen, die Menschen gemacht haben, als sie ihr" Leben mit dem lebendigen Gott zu leben versuchten. Was sie dabei erlebt haben, ist im Alten Testament zusammengefasst, das man deshalb zu Recht „verdichtetes Leben" genannt hat. Rainer Maria Rilke, einer der ganz großen Liebhaber des Alten Testaments, konnte deshalb sogar sagen, dass ihm „das Alte Testament, wo immer wir es aufschlugen, zum Ereignis, zum Klima" wurde.

Wie kaum ein anderes Buch ist die Jüdische Bibel / das Alte Testament ein Spiegel und Gegenbild des Lebens zugleich. In ihm hat sich nicht nur das Leben verdichtet, wie es ist, sondern zugleich, da noch viel mehr, wie es sein soll und sein kann. Es deckt die dunklen Seiten des Lebens auf, nicht aus Lust am Bösen, sondern um dem Versagen und der Schuld seine Gegenwelt des Guten und der Hoffnung entgegenzuhalten.

Die Jüdische Bibel / das Alte Testament ist ein in literarischer Hinsicht kunstvolles und faszinierendes Buch, gerade weil es in vielem ein für uns fremdes Buch ist bzw. geworden ist. Zwischen seiner Welt und unserer Welt liegen, wie wir sagen, „Welten". Gerade diese Fremdheit ist der Reichtum dieses Buches, der uns anziehen kann. Im Alten Testament können wir über uns selbst und über unseren Gott, über das Leben und die Welt vieles lernen und erfahren, was wir nicht wissen und wovon wir träumen. Dieses„alte" Buch steckt voller Neuigkeiten, wenn man sich auf eine Entdeckungsreise einlässt, um Land und Leute der Bibel kennen zu lernen.

Das eine Buch des Alten Testaments als ganze Bibliothek von Büchern, die man als Glaubensbuch, als politisches Programm, als Hilfe für den Alltag und als Grundlage für ein neues Miteinander von Juden und Christen lesen und leben kann. (E. Zenger, Lebendige Welt der Bibel. Entdeckungsreise in das AT. Frbg. 1997, 8).

Ich verweise auf folgende Einführungen:

Feininger, B.: Das Erste Alte Testament der Christen. In: Wunderlich, R. / Feininger, B. (Hrsg.): Übergänge i. d. Studium der Theologie / Religionspädagogik. Frkft./M. 2002, S. 16-36 (Neuauflage im Frühjahr 2007 vorgesehen) und:

Feininger, B. / Weißmann, D. (Hrsg.): Wozu brauchen wir das AT? Zwölf Antworten von Alfons Deissler. Frkft./M. 2004.

Lang, B.: Die Bibel. Fischer – TB 16126 (2004).


Die Religionsgeschichte ist eine Schatzkiste"-

So beginnt ein Aufsatz, in dem ich die Bedeutung der Religionsgeschichte
für die Religionspädagogik thematisiere:

„Globalisierung und Multikulturalität, Migrationen, wirtschaftliche Verflechtung und wachsender politischer Einfluss (z.B. Re-Islamisierung, Fundamentalismus, religiös-politische Konflikte) machen die Beschäftigung mit den Weltreligionen zu einem unverzichtbaren Bestandteil der theologischen Ausbildung bzw. der Lehrerbildung überhaupt. Im Unterricht treffen Lehrerinnen und Lehrer zunehmend auf Kinder anderer Religionen mit anderen Erziehungs- und Wertevorstellungen. Die Einführung des Islam-Unterrichts für Muslim-Kinder wird diskutiert und in einigen Bundesländern erprobt. Die christlichen Kirchen bemühen sich auf vielen Ebenen um Kontakte und Dialog mit Gottesgläubigen anderer Religionen. Das „Verwandtschafts-Verhältnis" von Judentum - Christentum -Islam rückt in den Blick, aber auch die Erfahrung beunruhigender Fremdheit. Neue Religionsformen sind am Entstehen und unterschiedliche Elemente der „alten" Religionen beeinflussen Praxis und Lebensverständnis junger Menschen."

In einer vatikanischen Veröffentlichung wird das auf folgende Weise charakterisiert:

  • „Dialog und Verkündigung sind schwierige Aufgaben und noch dazu absolut notwendig. Besondere Aufmerksamkeit sollte man den jungen Menschen zuwenden, die in einer pluralistischen Umgebung leben, wo sie auf Anhänger anderer Religionen in der Schule, bei der Arbeit, in Jugendorganisationen... und selbst in der eigenen Familie treffen" (Dialog und Verkündigung, 1991).

  • Der Religionspädagoge H.-G. Ziebertz fasst die Fragestellung in dichter

    Weise zusammen:

    „Die Fragestellung zielt auf die Herausforderung, dass es gemeinsam mit anderen Religionen etwas von der Größe Gottes zu entdecken gibt, wobei die Christen in diesem Prozess bekenntnishaft auf Christus verweisen können, an ihrer Bindung an ihn festhalten und von ihrem Glauben berichten, was er für die Welt getan hat, ohne dass sie damit einen Anspruch auf Ausschließlichkeit erheben. Dieser Ansatz erscheint durch seine Bekenntnishaftigkeit als ein konfessioneller Ansatz aber er beruht auf keinem Absolutheitsanspruch. Mit ihm ist eine Begegnung mit anderen Religionen möglich, ohne dass diese zuvor in eine Rangordnung zum eigenen Glauben gesetzt werden (...) Wenn Gottes Zeichen in dieser Welt vielgestaltig sind, dann ist die Vielgestaltigkeit das Tor, durch das hindurch zu einer gemeinsamen Praxis der Religionen und zu einer religiösen Praxis „vor Ort" gefunden werden muss. Das Lernen im interreligiösen Dialog zielt letztlich auf die Konfrontation der Heranwachsenden mit der Frage nach der Zukunft des Menschen und der Welt, für die es im Horizont der Religionen Antworten, zumindest Visionen gibt. Nicht ohne Grund wird gerade neuerdings die ethische Kraft der Religionen im Hinblick auf die offenen Probleme der Welt mobilisiert (vgl. Küng 1990). Die Zielvorstellung des interreligiösen Lernens im Dialog mit anderen Religionen ist somit keine Alternative zu Zielen, die etwa emanzipatorisch lauten: Schülerinnen mit der religiösen Vielfalt vertraut machen und sie zu einem eigenen Urteil provozieren (Hoheisel 1977), oder eher zurückhaltender: Andere religiöse Traditionen kennen lernen, verstehen lernen, Toleranz einüben (Lähnemann 1986), aber sie geht darüber hinaus. Es geht um die Vertiefung in die Visionen, die die Religionen bereitstellen, und zwar als Lernen über religiöse Traditionen von Religionen aus (vgl. Hull 1984). Sie entfaltet sich hinsichtlich der eigenen religiösen Identität und hinsichtlich eines gemeinsamen interreligiösen Handelns zur Lösung der Probleme dieser Welt" (H.-G. Ziebertz in den KatBl 116 (1991).

     

    Treue zum Eigenen – Offenheit für das Andere: so lässt sich das Fach

    Religionsgeschichte im Hinblick auf die religionspädagogische Grundausbildung charakterisieren.

    Im Fächerkanon der Kath. Theologie gehört es zur Fundamentaltheologie.

    Eine Hinführung dazu bietet das Einführungsbuch Wunderlich,

    R. / Feininger, B. (Hrsg.): Übergänge i. d. Studium der Religionspädagogik, Frkft./m.

    2002 (Neuauflage für 2004 vorgesehen), dort in den Beiträgen von Zöhrer,

    J.: Offenbarung und Glaube: Anrede Gottes – Antwort des Menschen

    (S. 113ff) und von Feininger, B.: Die Religionsgeschichte ist eine Schatz-

    Kiste (S.273ff)

    Die oben angeführten Zitate stammen aus diesem Aufsatz. Er bietet weitere

    Literatur und eine Übersicht zur Systematik und den Aufgabenfeldern der

    Religionsgeschichte und der allgemeinen Religionswissenschaften.







                    

     

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