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Ankündigung der Lehrveranstaltungen im WS
2010/11
Titel:
M 4.3 Fitness und Gesundheit im Spiegel
sozialwissen- schaftlicher Reflexion
LVA-Typ:
Se
Zeit:
Die 16.00 - 18.00 Uhr
Raum:
HSZ, Se 1
Studier.
GHR, Gender Studies
Kommentar:
Seit den 80iger Jahren hat sich das soziale und
kulturelle Verständnis von Gesundheit
grundlegend gewandelt. Gilt noch in den 70ger
Jahren dem medizinischen Paradigma gemäß das
„Schweigen der Organe“ (Canguilhem) als Ausdruck
von Gesundheit, zeichnet sich die gegenwärtige
Sicht auf die individuelle und kollektive
Gesundheit dadurch aus, dass sie an betriebs-
und volkswirtschaftlicher Produktivität bemessen
wird.
Viele Menschen verfügen über genügend
finanzielles Kapital, um
jenseits der medizinischen
Grundversorgung etwas für die eigene Gesundheit
zu tun.
Ein expandierender Markt mit seinen
unterschiedlichsten Angeboten an Gesundheits-
und Verschönerungsprodukten, angefangen von
gesunder Ernährung über die Anwendung von
Anti-Aging-Produkten, bis hin zur gezielten
Manipulation ´defizienter´ Körperpartien, gibt
Auskunft über die Richtwerte, an denen der
eigene Körper zu messen und anzupassen ist.
Durch sportliche Aktivität sowie
einer Arbeit am Körper,
die eine aktive Lebensführung
visualisieren soll, kann
Gesundheit also regelrecht ‚verdient’ werden.
Sportliche Aktivität heißt hier vor allem die
Herstellung von Fitness, die untrennbar, in
Kombination mitgedachter Eigenschaften wie
Flexibilität, Schönheit und Jugendlichkeit, mit
Gesundheit verbunden ist und Vorteile im
Erwerbs- wie im Privatleben verspricht.
Die Kehrseite der Medaille ist offensichtlich:
Wer nicht bereit oder in der Lage ist, Hand an
sich zu legen, offenbart fehlende
Integrationsbereitschaft. Wenn Fitness und
Gesundheit zum Gradmesser für die gelungene
Anpassung des Individuums an gesellschaftliche
Bedingungen interpretiert wird, können
eingeschränkte Möglichkeiten der Verwirklichung
persönlichen Glücks – bezogen auf milieu- oder
geschlechtsbezogene Zugehörigkeiten – nicht nur
als Abweichung in den Blick geraten, sondern
sogar als Form von Krankheit erscheinen. Es
steht damit nichts Geringeres auf dem Spiel als
die soziale Existenz und die Teilhabe am
gesellschaftlichen Leben und gesellschaftlicher
Anerkennung.
Einführende Literatur:
BRUNNETT, Regina (2009). Die Hegemonie
symbolischer Gesundheit. Eine Studie zum
Mehrwert von Gesundheit im Postfordismus.
Bielefeld: transcript Verlag
DEGELE, Nina/ SOBIECH, Gabriele (2008). „Fit for
life“? – Soziale Positionierung durch sportive
Praxen. In. beiträge zur feministischen theorie
und praxis. Arenen der Weiblichkeit. Frauen,
Körper, Sport. 31. Jg., H. 69, S. 109-117
Titel:
M
4.3 Die schönste Nebensache der Welt? – Fußball
und seine gesellschaftliche Bedeutung
LVA-Typ:
Se
Zeit:
Mi 12.00 - 14.00 Uhr
Raum:
HSZ, Se 2
Studier.
GHR, Gender Studies
Kommentar:
Sind Spiele, wie z. B. das Fußballspiel, die
‚schönste Nebensache der Welt’, die lediglich
als attraktive Freizeitbeschäftigung gelten
können, aber mit den Notwendigkeiten der
Alltagswelt nichts gemein haben? Oder
korrespondieren Spiel- und Alltagswelt auf eine
miteinander verflochtene Weise, so dass
Spielhandlungen und -prozesse Auskunft über
elementare Prozesse der Herstellung von
Gesellschaft geben können?
Spieltheoretiker (z. B. Caillois 1960, in
Weiterentwicklung Gebauer 1998/ Alkemeyer 2003)
verweisen auf beide Aspekte: Spiele erzeugen zum
einen eigene symbolische Welten, die Züge einer
Fiktion tragen, also Spielwelten, die relative
Autonomie besitzen. Zugleich nehmen sie aber
auch Bezug auf soziale Strukturen und kulturelle
Praktiken auf die Welt außerhalb des Spiels. Sie
zeigen Prinzipien auf, die auch die Gesellschaft
und die Alltagswelt organisieren, d.h. die
Spielordnung und die Gesellschaftsordnung
verweisen aufeinander.
Ein wesentliches Ordnungsprinzip von
Gesellschaft ist
Geschlecht. Meuser (2008) bezeichnet in
Anlehnung an Bourdieu (1997) den Fußballsport
als einen den Männern vorbehaltenen Raum, in dem
sich, unter Männern die ernsten Spiele des
Wettbewerbs abspielen. Fußball als kompetitive
und homosoziale Praxis dient in erster Linie der
Produktion und Inszenierung von Männlichkeit.
Frauen sind von diesen Prozessen ausgeschlossen.
Aber nicht nur die Frauen! Da es vornehmlich um
die Herstellung und Bestätigung „hegemonialer
Männlichkeit“ geht, sind auch „komplizenhafte
und marginalisierte Männlichkeiten“ (Connell,
2000), wie Homosexuelle, Ausgeschlossene.
Weitere Themenbereiche im Seminar beziehen sich
auf:
-
die ernsten Spiele der Fans;
-
Gewaltspiele;
-
Die Spiele der „Anderen“, der Frauen.
Einführende Literatur:
KREISKY, Eva/ SPITALER, Georg (2006) (Hrsg.).
Arena der Männlichkeit. Über das Verhältnis von
Fußball und Geschlecht“. Frankfurt/ New York:
Campus Verlag
SOBIECH, Gabriele (2006). Die schönste
Nebensache der Welt? – Über die Herstellung
gesellschaftlicher Ordnung in Spiel(-Räum)en.
In. Michael Krüger & Bernd Schulze (Hrsg.).
Fußball in Geschichte und Gesellschaft. Tagung
der dvs-Sektionen Sportgeschichte und
Sportsoziologie vom 29.9. – 1.10. 2004 in
Münster. Hamburg: Czwalina Verlag, S. 141-150
Titel:
M
5.1 – M 8.1 Die Darstellung von Sportlerinnen
und Sportlern in der Sportberichterstattung
LVA-Typ:
HSe
Zeit:
Do 10.00 - 12.00 Uhr
Raum:
HSZ, Se 1
Studier.
GHR, Gender Studies
Kommentar:
In kaum einem anderen Bereich westlicher
Gesellschaften ist die Geschlechterordnung noch
so deutlich zementiert und so augenfällig wie im
Sport. Dabei gilt der von Männern betriebene
Sport nach wie vor als Norm, er bedarf keiner
besonderen Erwähnung. Hingegen erscheint das,
was Frauen tun als abweichend und minderwertig
(z. B. Fußball – Frauenfußball).
Die Sportmedien erhalten in der Darstellung
öffentlicher Bilder über Frauen und Männer, ihre
Art der Abbildungen und Kommentierungen sowie
die Art, wie insgesamt über Frauen- und
Männersport berichtet wird, eine entscheidende
Funktion in der Aufrechterhaltung der Idee von
den ‚natürlichen’ Geschlechterunterschieden, die
noch im 20. Jahrhundert zur Exklusion von Frauen
aus dem Sport geführt haben.
Forschungen, die auf die Analyse von
Sportberichterstattung im Hinblick auf die
unterschiedliche Darstellung von Sportlerinnen
und Sportlern abzielen, beziehen sich sowohl auf
quantitative Aspekte und damit die Frage ‚Wie
häufig wird über Sportlerinnen und Sportler
berichtet?’ als auch qualitative Aspekte ‚Wie
und was wird über Sportlerinnen und Sportler
berichtet?’.
Eine solche Analyse soll im Seminar exemplarisch
durchgeführt werden. Neben den Entwicklungen,
der Nutzung und den Wirkungen des Mediensports
mit seinen differenten Sportangeboten stehen
demnach Fragen der Präsenz von Sportlerinnen und
Sportlern, der Geschlechterstereotypisierung,
der Inszenierung von sportlicher Leistung und
Erfolg sowie der Inszenierung des Körpers und
des Aussehens in den Medien im Fokus.
Einführende Literatur:
SCHIERL, Thomas (2007) (Hrsg.). Handbuch Medien,
Kommunikation und Sport. Beiträge zur Lehre und
Forschung im Sport. Schorndorf: Hofmann Verlag
HARTMANN-TEWS, Ilse (2003). Soziale Konstruktion
von Geschlecht im Sport: Neue Perspektiven der
Geschlechterforschung in der Sportwissenschaft.
In: dies. u.a. (Hrsg.). Soziale Konstruktion von
Geschlecht im Sport. Opladen: Leske + Budrich,
S. 13-28.
Titel:
M
5.1 – M 8.1 Sportwissenschaftliches Kolloquium:
Sport und Gesellschaft
(insbesondere für ExamenskandidatInnen)
LVA-Typ:
Coll.
Zeit:
Do 16.00 - 18.00 Uhr
Raum:
HSZ, Hörsaal I
Studier.
GHR
Kommentar:
In der Veranstaltung wird über wesentliche
Forschungsfelder, theoretischer Ansätze und
empirischer Zugangsweisen des Arbeitsbereiches
„Sport und Gesellschaft“ einen Überblick
gegeben. Die Arbeitsweise umfasst zentrale
Vorlesungen, die in anschließenden
textgestützten Einheiten vertieft besprochen und
diskutiert werden sollen.
Diese Veranstaltung versteht sich
insbesondere als Vorbereitung auf das
Staatsexamen in diesem Bereich in all seinen
Teilen.
Literatur wird in der ersten Veranstaltung
bekannt gegeben.
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