Referat  2005 , IX

Vernissage der Ausstellung von

Bernd Goering

In der Galerie Fluchtstab in Staufen

 

 

 

Dank für Einladung zur Eröffnung einer Ausstellung in dieser Galerie im

Spannungsfeld zwischen der Altstadt von Staufen und moderner Kunst.

 

Im Werk von Bernd Goering haben wir eine interessante Begegnung und

Vermischung von konkreter Kunst und Konzeptkunst vor uns.

Die Ausstellung gliedert sich in drei visuell stark differenzierende

Teile. Wir wollen versuchen, eine logische Klammer zwischen ihnen zu

entdecken.

 

 

 

I.        Gruppe

 

 

Skulpturen

Der Stein enthält Eisen, seine Obeer4fläche kann sich im Freien

verändern

 

Die Vorgaben für die einzelnen Skulpturen sind teilweise völlig konkret,

mit Max Bill einem der Väter der konkreten Kunst zu sprechen , „

vom menschlichen Geist für den menschlichen Geist geschaffen“, unter

weitgehendem Ausschluss des subjektiven Empfindens des Künstlers.

 

Betrachten wir als erstes das in die drei Raumachsen weisende , einem

Dreibein ähnelnde Objekt, das wie die anderen Skulpturen aus

brasilianischem Granit herausgearbeitet wurde.  Seine Beine sind drei

Stangen , die sich aus jeweils vier Kuben zusammensetzen. Der Entwurf des

Künstlers ging von sich aus Kuben aufbauenden Stangen aus, doch erlaubte

er sich - im Unterschied zu den konkreten Künstlern der ersten Generation

um Max Bill - bei deren Realisierung künstlerische Freiheiten. Diese

ergeben sich teilweise zwangsläufig aus der vom Künstler gewählten

Technik:

 

Zunächst sägt er in geringem Abstand parallel zu einer späteren Randfläche

der Skulptur einen nicht zu langen Schlitz. Mit dem Setzeisen schlägt er

dann in traditioneller Weise  eine Steinschicht so ab, dass der Stein die

gewünschte Form annimmt. Doch diese Technik  lässt sich nicht überall

anwenden: In die entstehenden Innenecken gelangt man beispielsweise mit

einer Trennscheibe nicht. Damit die  Oberfläche  des Steines an diesen

Stellen nicht von der Struktur der übrigen Oberfläche abweicht, erhitzt er

den Stein an den gewünschten Stellen, sodass dort  Schichten in der

gewünschten Weise abspringen. So haben wir endlich eine Skulptur, der ein

streng logisches Konzept zugrunde liegt, deren Abmessungen aber Freiheiten

enthält und eine    natürlich, unbearbeitet  Oberfläche besitzt.

Die Beine setzen sich jeweils aus vier Kuben zusammen. Die Winkel zwischen

den Beinen und der Bodenfläche sind gleich. Die Berührungsstellen zu den

anderen Beinen sind analog zueinander. Die Skulptur ist drehsymmetrisch um

120 Grad.  Der Künstler hat sich bemüht, möglichst objektive

Ordnungskriterien  in sein Werk einzubringen und nicht sein subjektives

ästhetisches Empfinden.

 

 

 

Ähnlich verhält es sich mit der Mehrzahl der hier ausgestellten

Skulpturen. Wir haben typische Merkmale einer Arbeitsweise, die nachdem

die Randbedingungen durch den Künstler festgelegt sind, weitgehend von

seinem subjektiven Empfinden befreiten sind:  Goering setzt die

Rechtwinkligkeit und Rotationssymmetrie ein  sowie die Drehung und die

Parallelverschiebung einer einzigen Form als objektivierende Elemente ein.

Aber  - und  das unterscheidet viele Künstler aus Goerings Generation von

denen der  ersten Generation konkreter Künstler -   er gestattet sich

„Ausreisser“,  z.B. dass aus einer Skulptur ein Stab unter einem völlig

willkürlichen, nur dem ästhetischen Empfinden des Künstlers verpflichteten

Winkel herausragt.

 

 

Faszinierend an den Skulpturen ist neben der ihnen zugrundeliegenden

strengen Logik und der künstlerischen Gestaltung der Steinoberfläche, dass

sie stets aus einem Stein gehauen sind, obwohl sie geradezu suggerieren ,

dass sie aus mehreren Teilen zusammengefügt wurden.

 

 

 

II. Gruppe

 

 

In einer zweiten Werkgruppe, die der Künstler hier zeigt, spielt gerade

das Aufschneiden – das in ersten Gruppe suggeriert aber nicht durchgeführt

ist eine wichtige Rolle:

 

Er schneidet eine unregelmäßig geformte und teilweise auch farblich

markant strukturierte Form betont regelmäßig und scharfkantig auf,

verschiebt die erhaltenen Steinscheiben in der gleichen Richtung parallel

nach vorn oder hinten, Klebt die Scheiben in der ursprünglichen

Reihenfolge wieder aneinander, nivelliert die Rückseite, sodass das Relief

von weitem fast wieder wie ein unversehrter Stein wirkt.

 

Besonders fällt auf:  Die Schnittflächen hat der Künstler poliert,

verwehrt   uns  damit teilweise den Einblick in den Stein, in dem wir z.B.

eine Trombe hätten vermuten können. .. Anders als wir das hier in der

Oberrheinebene gewohnt sind, wo die Erdgeschichte eine solche sogar viele

hundert Meter tiefe Verwerfung entstehen ließ, deren Schnitt- oder hier

Schubebene offen vor uns liegt, so dass Geologen an ihr wie in einem

Studienobjekt den Aufbau der Erdschichten in unserer Region studieren

können.

Bei Bernd Goerings Skulpturen bleibt uns vor allem,  die neue äussere zu

bewundern.

 

Besonders auffällig wird das an der vor der Galerie liegenden Skulptur aus

schwarzem Serpentin. Der Stein heißt Serpentin, weil ihn dünne

schlangenartige weiße Linien durchziehen, die auch an seiner Oberfläche

erkennbar sind. Den Künstler reizen diese Linien nicht. Er lässt zu, dass

sie an der Oberfläche durch von Menschen unabsichtlich zugefügte Schleif-

und Ritzspuren relativiert werden, bis sie gar nicht mehr ins Auge fallen.

Zugleich färbt er die wiederum aufs sorgsamste dem Stein zugefügte

Schnittfläche schwarz ein, sodass uns hier jeder Einblick in den

monumentalen, fast schon geheimnisvoll etwas umfangenden Stein verwehrt

bleibt. Das Geheimnisvolle an ihm steigert sich noch dadurch dass der

Stein eisenartige Einschlüsse enthält, die dort , wo sie an die Oberfläche

ragen, zu rosten beginnen , als sei ein Gerät, ein Gerüst oder irgendetwas

anderes nicht klar Deutbares in diesen harten schwarzen Serpentin

eingeschlossen. Bernd Goering zeigt zugleich und verhüllt. Bei aller

Exaktheit und Geradlinigkeit der Schnitte wirkt der Stein dennoch

naturbelassen. Der Künstler bewahrt den Charakter des Steins trotz der

massiven Einschnitte

 

 

 

III.

 Zur Biographie

 

1962 in Basel geboren

 

1983 Studium der Mathematik und Kunstgeschichte in Freiburg

 

1985 – 88 Hochschule für Gestaltung Basel

 

1998 Markgräfler Kunstpreis

 

2000 1. Preis Jahrhundertplastik Lörrach

 

Viele realisierte „Kunst am Bau“ – Entwürfe

 

                  Beeindruckende, selbst hergestellte Homepage

 

IV. Gruppe

 

Bei der letzen der gezeigten Werkgruppen geht der Künstler scheinbar

entgegengesetzt zu den anderen vor:

 

Entweder schneidet er Informnationsträger derart auf, dass wie z.B. bei

den ausgestellten Büchern keine Texte identifizierbar sind. Oder er sägt

Übermittler von Informationen – wie Telefon, Monitor, Recorder –

tatsächlich auf, sodass der Betrachter selbst erkennt, dass keine

Informationen in ihnen gespeichert sind.

Für Goering sind diese Geräte keine objets trouvés im Sinne von Marcel

Duchamps. Er stellt die in ihnen selbst enthaltene „Nicht-„Information

bloß.

Sein  Umgang mit Informationsträgern und – Umwandlern unterscheidet sich

auch von dem in Technik und Forschung üblichen:

Die „Blackbox“ im Flugzeug bewahrt ihre Informationen auch über alle

Katastrophen hinweg, gibt mit ihnen Aufschluss über deren mögliche

Ursachen.

In der Mathematik existiert eine „Blackbox-“artige virtuelle Maschine, die

Turing-Maschine, die anders als jede reale Maschine mit beliebig hohen

Zahlen arbeiten kann; sie kann zu jeder beliebigen Zahl 1 addieren bzw.

den Nachfolger bestimmen.

 

Wir dürfen gespannt sein, wo und wie  der Künstler als nächstes

Informationen verhüllen oder uns anderswie bewusst vorenthalten wird oder

uns umgekehrt Illusionen über scheinbar versteckte Informationen nehmen

wird und dabei zugleich anspruchsvolle ästhetische Objekte schaffen.

 

 

 

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Referat 2005 . VIII

Vernissage der Ausstellung

                              Manfred Mohr „subsets“

In der Galerie Wack, Kaiserslautern, 2005-09-03

p-370/w , p-414-b , p-453-ap/10 , p-708/d , p-777/j, p-1011-a … lauten die Titel der hier gezeigten Werke.  Ungewöhnlich konsequent verzichtet Manfred Mohr in seinem Werk auf jegliche Anlehnung an Erlebtes oder Gesehenes.

Es wäre eine Anlehnung, die umgehend seine eigene Persönlichkeit, seine Subjektivität über die Worte in sein Werk einbrächte. Zugleich lenken die an technische Bezeichnungen erinnernden Namen den Betrachter direkt auf eventuelle Bezüge zur Technik und  wissenschaftlichen Forschung  hin. Und in der Tat lehnen sich die Titel an  die Technik ihrer Entstehung an. Der Buchstabe P  steht jeweils für Programm, die folgende Zahl bezeichnet den Algorithmus, das in die Computersprache übersetzte Programm , mit dessen Hilfe Manfred Mohrs Computer das Werk , genauer, die Vorlage für das jeweilige Bild zeichnete bzw. malte. Parallel zur üblichen Datierung  (hier z.B. über die Jahre 1986 bis 2001) durchzieht Manfred Mohrs Werk die Folge der Programmnummern. Die Programme folgen logisch aufeinander Jedes Programm hat einen Vorgänger, aus dem es selbst durch Weiterentwicklung hervorgeht. Wobei hier die Weiterentwicklung eine künstlerische ist, die sich am ästhetischen Empfinden des Künstlers orientiert.

 

 

 

 

 

Diese Weiterentwicklung ließe sich äußerlich bereits an den jeweils auftretenden geometrischen Grundelementen verfolgen. Manfred Mohr beginnt in seinen frühen Arbeiten in der Mitte der sechziger Jahre mit großformatigen Bildern , die er bereits durchnummeriert. Sie zeigen noch nach seinem künstlerischen Empfinden nahezu willkürlich auf der Bildfläche verteilte fast schon geometrische Objekte , die  Kreisen, Vierecken, paralleverschobenen Winkeln ähneln. An diese schließt sich bereits gegen Ende der sechziger Jahre eine Phase an, in der Manfred Mohr nur noch streng Elemente der euklidschen Geometrie , geradlinig begrenzte Figuren oder Kreise auftreten lässt.

 

Schon 1969 geht er den Schritt, der ihn dann zu einem der markantesten Künstler des Computerzeitalters werden lässt: Er setzt den Computer bei der Entwicklung seiner Kunstwerke ein. Zu Beginn entwickelt er ein Programm, mit dessen Hilfe dieser Kreise und verschieden dicke und verschieden lange, gerade Strecken zeichnen kann. Die erhaltenen Gebilde schreibt er in europäischer Leserichtung von links nach rechts und von oben nach unten auf. Dieser künstlerische Entwicklungsprozess führt ihn über das Quadrat, seine Halbierungen, Drehungen usw. auf direktem Wege zu dem für sein Werk entscheidenden Körper, den Würfel. Er zeichnet ihn im Kantenmodell lässt manchmal alle, oft nur wenige Würfel zeichnen, ordnet die Zeichnungen wiederum in Linien an.

Ein für die  weitere Entwicklung wichtiger Ideensatz schlie0t sich an: Der Künstler halbiert das Kantenmodell mit einer Schnittebene durch den Würfel. Dann dreht und neigt er beide Hälften unabhängig voneinander und behält dabei die ordnende waagrechte Schnittebene bei. Über das nun schon im Vergleich zu den früheren Kantenmodellen verwirrende Linienbild legt er ein Quadrat  in der Größe der ursprünglichen Würfelansicht.. Dieses Quadrat schneidet aus den beiden Würfelhälften einen Teil aus. Nachdem die Umgebung fortgelassen ist, bleibt ein Bild, dessen Linienführung sich dem Betrachter in seiner Entstehung vollkommen verschließt.

 Und dennoch verwirrt es ihn nicht total, da ihm zunächst unerklärliche Ordnungsstrukturen im Bild enthalten sind: Es treten Parallelen auf sowie irgendwie logisch zusammenhängende Winkel. Auch gibt es einen scheinbaren Bezug zwischen  Bildformat und Streckenlängen im Bild. All das  lässt das Bild bei aller Komplexität redundant, d.h. geordnet erscheinen. Beim Künstler wie beim Betrachter kann Wohlempfinden im Sinne der Informationsästhetiker Max Bense und Abraham Moles eintreten.

 

Es waren insbesondere die Gedanken von Max Bense, die den Künstler im Hinblick auf die logische Ausgestaltung seiner Werke in jener Zeit bewegten, 

 

Biographie

Geboren 1938 in Pforzheim

 

Kunst- und Werkschule Pforzheim

 

Jazzmusiker (Tenor-Syaxophon, Obeoe)

 

1960 informelle Bilder

 

1965 école des beaux arts paris

 

1969 erste Computerzeichnungen

 

1972 Würfel

 

1977 Beschäftigung mit Hyperwürfel und Graphentheorie (Bezug zur  gegenwärtigen Ausstellung)

 

1980Würfelteilungen

 

1982 Quasiorganische Wachstumsprogramme (Bezug zur Ausstellung)

 

4d,5d,6d würfel

Generatoren sind Rotation und Projektion

 

1990

Goldene Nica in Linz ars nelecgtronica

Gleichzeitig traditionellen Graeserpreis

 

 

Stichworte zu einzelnen Werken:

Raum 3: Farbiges Bild  und Computeranimation

Setzt man an alle vier Seiten eines Quadrates ein Quadrat an und  klappt sie passend um, so erhält man mit Deck- und Bodenfläche einen Würfel (Übergang von der zweiten in die dritte Dimension)

Stark vereinfacht kann man sagen, auf anaologe Weise kommt man durch Ersetzen von Flächen durch Würfel von der dritten zur vierten (nicht mehr räumlich vorstellbaren ) Dimension. Das entsprechende Gebilde nennt man Hyperwürfel.

Wie ein normaler Würfel  besitzt auch ein derartiger Hyperwürfel (quadratische) Seitenflächen.  In diesen Flächen besitzt jeder Eckpunkt einen ihm diagonal gegenüberliegenden Eckpunkt. Wege zwischen diesen beiden legte Manfred Mohr nicht diagonal an, sondern sie laufen über zwei der Quadratseiten „über Eck“. Der Künstler suchte nun  Streckenzüge über 6 aufeinanderfolgende derartige „Diagonalen“ auf den Seitenflächen.

Er ließ  den Computer aus 6! = 720 möglichen Wegen eine Untermenge (subset)   auswählen, ließ diese einfärben und rotieren. 

 

Raum 1 und 2

Mathematiker hält die mangelnde Veranschaulichung nicht davon ab, Hyperwürfel von noch höherer Dimension zu entwickeln. Einen derartigen Hyperwürfel der elften Dimension, der sich aus ungefähr vierzigtausend Einzelwürfeln zusammensetzt, legt Manfred Mohr seinen Arbeiten  aus dem Jahre 2004 zugrunde. Der Computer wählt daraus eine Anzahl (der Künstler umschreibt sie mit 50 – 100) aus, färbt sie aleatorisch schwarz oder weiß und läßt das ganze Gebilde rotieren. Die Rand daten  dazu entnimmt der Computer beim Start einer Sequenz aus dem Anfangszeitpunkt (Datum, Uhrzeit), den der Künstler jeweils zu Beginn eingibt. Wechsel zwischen schwarzen und weißen Flächen kommen zustande, weil diese sich beim bewegen des gesamten Hyperwürfels vor- und hintereinanderlegen. Die grüne Farben in Randbereichen ist ein kleiner  Rest einer hinter dem Hyperwürfel liegenden grünen Fläche. 

 

 

 

Zusammenfassung

 

Mit einer logischen Strenge, die in der westlichen Kunst der Gegenwart fast einmalig ist, zieht sich ein roter Faden durch das Werk von Manfred Mohr: Von den Lineaturen der sechziger Jahre über die Serien gemalter Würfel-Kantenmodelle führt der Weg zu Würfelhalbierungen und Drehungen. Pseudoorganische Verästelungen leiteten über zu den  Hyperwürfeln verschiedener Dimensionen. Die Abkehr von den Würfelkanten hin zu den optisch noch schwerer zu erfassenden Diagonalen und  der Übergang vom Schwarz-Weissen zum farbigen Bild markierten weitere wichtige Entwicklungsschritte bis zum Jahr 2001.

Diesen Weg begleitet jedoch ein markantes Kennzeichen: Die geometrischen Elemente, insbesondere Würfel und Hyperwürfel sind selbst nicht mehr identifizierbar. Der Künstler brauchte ein System , wo – in seinen Worten -  im ersten Grad alles richtig ist, ein System, auf dem ich spielen kann wie auf einem Klavier", sagte der ehemalige Jazzmusiker Manfred Mohr.

Und genau wie in der Musik, bei der das Bild des Instrumentes hinter die Musik zurücktritt, lässt Manfred Mohr die geometrische Figur nur in Teilen in einem quadratischen, schwer zuzuordnenden Ausschnitt auftreten. Dadurch verfremdet er sie so stark, dass sie nicht mehr identifizierbar bleibt sondern nur noch Lieferant von in unerklärlicher Weise aufeinander bezogenen Linien und Linienzüge.

Fast von Beginn an begleitet der Pseudozufall in Gestalt der maschinellen Auswahl unter unvorstellbar vielen Kombinationsmöglichkeiten das Werk und nimmt die Subjektivität aus dem einzelnen Kunstwerk, sodass der Künstler selbst sagen kann:

„Das ästhetisched Ergebnis unterscheidet sich letztlich nicht unbedingt von einer Handzeichnung .

Was mich jedoch im Umgang mit einer Maschine fasziniert, ist die Tatsache einer intellektuellen und physischen Ausdehnung meiner selbst.“

 

 

 

 

 

 

Das Gesamtwerk ist geprägt von Manfred Mohrs ästhetischem Empfinden, dass er kühl – in Anlehnung an die Bensesche Informationsästhetik - einbringt, indem er Linienzahl und – Stärke, Farbenanzahl und Auswahl gekonnt einschränkt und so für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Ordnung und Unordnung oder wie die Informationsästhetiker sagen, zwischen  Redundanz und Komplexität erzeugt.

 

 

Der Künstler benutzt nicht die heute verbreiteten Fraktale , bei denen schon minimale Änderungen der Parameter zu völlig neuartigen und vor allem auch für den Künstler unvorhersehbaren Ergebnissen führen. Mit seinen künstlerischen Vorgaben zusammen mit den klassischen geometrischen Gebilden – wozu ich heute auch den Hyperwürfel zählen möchte – führen geringfügige Parameteränderungen zu vorhersehbaren geringfügigen optischen Ergebnissen . Nur dadurch werden die optischen Animationen , denen wir hier am Bildschirm folgen, für uns Betrachter auf eine für uns angenehme Weise betrachtbar, sodass wir sie spontan bewundern können. Mehr gibt es nicht, denn sie werden zu unseren Lebzeiten höchstwahrscheinlich nie mehr noch einmal in derselben  Konstellation auftauchen.

 

Wir dürfen gespannt sein auf Manfred Mohrs weiteren künstlerischen Weg vor allem auch darauf. , ob er nach einer optimalen Ausschöpfung der Möglichkeiten in der Ebene vielleicht eines Tages sogar der Weg von der Fläche in den Raum gehen wird.

Ich danke ihnen









          

Referat 2005 . VI

Vernissage der Ausstellung

„MERCI“

(Firma HAGER, Kurator Karl Duschek)

In der Orangerie in Blieskastel am 17. Juni 2005

(Stichworte)

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Kunstausstellung für einen Betrachterkreis, den im weitesten Sinne Elektrizität tangiert, ließe sich leicht in Anlehnung an vertraute Denkweisen z.B. mit Bildern  von der Erbauung von Staudämmen, Stauseen, aus Turbinen und Kraftwerken aller Art gestalten.

 

Durch stärkere Abstraktion könnte man sich auch

auf anspruchsvollere Weise mit Bereichen der

Elektrizität befassen:

Zum Beispiel zum Thema Fließen die Installation "Honigpumpe" zitieren, die Joseph Beuys während einer documenta Honig in einem Kreislauf pumpen ließ.

 

Die Zweipoligkeit des Stroms verdeutlichten z.B. Installationen des holländischen Künstlers Jan van Munster, der mit Gluthitze und Eiseskälte in seinen Kunstwerken umgeht, wenn er Drähte zum Glühen bringt oder Eiskristalle auf Metallflächen wachsen lässt.

 

Auch die Digitalisierung aller Informationen,

das Reduzieren aller Zustände in einer Stromleitung auf "unter Spannung" oder "nicht unter Spannung" fände Visualisierungen in der Kunst: Die österreichische Biennale-Künstlerin Waltraut Cooper reduziert ihre Neon-Installationen auf zwei Farben, eine für "ja" und eine für "nein".

 

Kurz: Es wäre möglich, mit den genannten oder ähnlichen Kunstwerken eine Ausstellung zu gestalten, die es dem Betrachterkreis dieser Ausstellung erlaubt,

sein ihm vertrautes Gedankengut in der Kunst wieder zu finden.

Das wäre eine bequeme Begegnung mit Gewohntem ,

stünde aber im Widerspruch zu dem,

was Kunst heute auch leisten will.

 

 

 

Im europäischen Mittelalter dienten Kunstwerke vor allem religiösen Zwecken.

Später wurden auch Bilder mit weltlichen Themen zur Erbauung, zur Information oder zur Erschütterung des Betrachters geschaffen.

 

Heute besteht jedoch eine Zielsetzung in der Kunst darin, den Betrachter zum eigenen Nachdenken zu bewegen.

Kunst will aufrütteln,

Menschen aus eingefahrenen Denkstrukturen befreien, ihnen neue Sichtweisen öffnen –

und sie auf diese Weise geistig beweglicher machen

für die wechselnden Anforderungen

des modernen Lebens,

in dem sich Berufstätige zum Beispiel in kurzen Zeitabständen in neue Computerprogramme einarbeiten oder beim Einsatz neuer Medien zurechtfinden müssen.

 

Dazu ist Denken , ist logisches Schließen notwendig, das man Spontan nicht unbedingt mit Kunstwerken in Verbindung bringt, denn:

 

Logik unterliegt keiner Zeitströmung :

Ein einmal als wahr erkannter logischer Schluss bleibt für immer wahr.

Logik lässt sich auf bereits bekannten Sätzen weiter aufbauen.

 

Kunst dagegen muss nicht den Nachweis erbringen, dass sie richtig ist.

Was als Kunst anerkannt wird, hängt von der jeweiligen Epoche und ihren Vorstellungen ab.

 

Kunst muss nicht auf Vorhergehendem aufbauen.

 

 

 

Doch die konkrete Kunst, der sich die meisten der hier gezeigten Kunstwerke zuordnen lassen, baut weitgehend auf mathematischer Logik und damit auf Denkprozessen auf.

Im Unterschied zu vielen anderen Kunstrichtungen

lassen sich konkrete Kunstwerke daher  häufig nachvollziehen und überprüfen.

Sie vermitteln dadurch dem Betrachter mehr als andere Kunstwerke das Wohlgefühl, sie verstanden zu haben.

 

Wir definieren Konkrete Kunst hier im Wortlaut des in der Ausstellung vertretenen Schweizer Künstlers Max Bill:

 

"konkrete kunst

nennen wir jene kunstwerke, die aufgrund ihrer ureigenen mittel und gesetzmässigkeiten

-ohne äußerliche anlehnung an naturerscheinungen oder deren transformierung,

also nicht durch abstraktion

entstanden sind.

 

konkrete kunst ist in ihrer eigenart selbständig.

 

sie ist der ausdruck des menschlichen geistes,

für den menschlichen geist bestimmt..."

 

 

Da jedoch in der Ausstellung verschiedene Ausprägungen der Konkreten Kunst vorkommen - gestisch, konzeptionell und konstruktiv

erläutern wir diese drei Begriffe zunächst unabhängig von ihrer Anbindung an die Konkrete Kunst.

 

Gestische Malerei entsteht weitgehend fernab von geistiger Durchdringung der einzelnen Schritte. Berühmt sind die All-Over - Strukturen von Jackson Pollock.

Hier in der Ausstellung könnte man die eher

intuitiv gesetzten Pinselstriche des

Eisenplastikers Robert Schad nennen

oder die beinahe gleichmäßig und in nur wenigen Richtungen auf dem Blatt platzierten Linien Raimund Girkes.

 

Von Konzeptioneller Kunst spricht man, wenn ein

Künstler zwar die üblichen Ansprüche an sein Werk stellt,

das Kunstwerk darüber hinaus jedoch einem realen Vorgang, einer Zusammenstellung u.ä. unterwirft,

die ursprünglich nicht mit einem Kunstwerk in Verbindung gebracht werden.

 

In dieser Ausstellung ist dazu Jir¡í Valoch mit seinem Werk "mizející" ("verschwindend")zu nennen.

Er überlässt dem Bild-Titel die Bildmitte. Der  Betrachter kann nur vermuten,

was hier verschwunden ist.

 

 

Zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts ging die

Konstruktive Kunst als eine Richtung aus der Ungegenständlichen Kunst hervor:

 

Künstler konstruierten dabei ihre Werke mit Elementen und nach Methoden der Geometrie.

Zu Beginn nutzten sie geometrische Elemente im wesentlichen, um Objekte unserer Anschauung

abstrahiert darzustellen,

 wie z. B. in dem "Geis" -Bild von Bart van der Leck.

 

Im Zuge der Ungegenständlichen Kunst entwickelten sie später für ihre Bilder häufig eigene Regeln und

Vorstellungen zu Bildaufbau und Bildgestaltung.

In der Ausstellung ist dazu ein Bild von Friedrich Vordemberge -Gildewart vertreten.

Ziel seiner Bildgestaltung konnte zum Beispiel ein nach seinem Empfinden optisch "ausgewogenes" Werk sein.

 

 

 

 

Die Ausstellung zeigt zu drei wesentlichen Richtungen der

Konkreten Kunst, der "gestisch-konkreten", der "konzeptionell-konkreten" und der "konstruktiv-konkreten" Kunst Beispiele.

 

Der Saarländer Oskar Holweck  vertritt hier allein die ungewöhnlich große Gruppe wichtiger saarländischer konkreter Künstler um Sigurd Rompza, Leo Erb und Jo Enzweiler, um nur einige zu nennen. Holweck gestaltet sein Werk, indem

er ein Blatt in europäischer Leserichtung "konkret" vorgehend gestisch einritzt und es dann zusammenschiebend vollendet.

 

 

 

 

 

 

Konzeptionell - konkret ist Timm Ulrichs verblüffendes Werk zu nennen.

Es suggeriert dem Betrachter, dass sich eine Schar von Weinbergschnecken unbedingt zu dem in der konkreten Malerei sehr verbreiteten Quadrat

vereinen will.

Der Entwurf, das Konzept dieses Kunstwerkes, geht über das eigentliche Werk hinaus.

Wir sehen nicht, dass der Künstler die Tiere zunächst in einen quadratischen Rahmen pferchte,

sie dann freiließ

und dann in Abständen an ihren jeweiligen Standorten in Richtung auf den Rahmen umdrehte

und sie fotografierte.

Das Ergebnis ist der Eindruck, sie würden zum Rahmen kriechen statt von ihm fort.

 

Auch Jean Tinguelys maschinell und ohne sein persönliches Eingreifen entstandene Zeichnung kann man den konzeptionell - konkreten Werken zurechnen, obwohl sie auf den ersten Blick sehr "menschlich" – gestisch wirkt.

 

Wir sollten uns jedoch vor allem in der Zeit der heute oft mit großer Variationsbreite wirkenden Künstler (siehe Gerhard Richter) grundsätzlich vor "Schubladendenken" hüten.

Wenn hier bei einem einzelnen Werk von Tinguely von konzeptionell-konkret gesprochen wird, heißt das weder, dass der Künstler grundsätzlich so gearbeitet hat, noch, dass dieses Kunstwerk sich eindeutig und ausschließlich unter dem konzeptionell-konkreten Aspekt betrachten ließe.

 

Dass konkrete Kunst vom "menschlichen Geist für den

menschlichen Geist" geschaffen wird, spürt man vor

allem bei der konstruktiv - konkreten Kunst.

Sie ist hier mit wichtigen Vordenkern vertreten.

 

Dass die Riege nicht vollständig ist,

z.B. fehlen Vasarely, Nemours, Mahlmann. Loewensberg,

ist im wesentlichen in der Beschränkung der Gesamtzahl der hier zu zeigenden Künstler begründet.

 

Der "Menschliche Geist" aus maX Bills Definition entspricht bei diesen Künstlern fast ohne Abstriche

"menschlicher Logik".

 

Wenn Künstler ein Produkt des menschlichen Geistes so allgemeingültig wie möglich visualisieren wollen,

muss es ihnen gelingen,

es so unabhängig wie möglich von persönlichen Vorlieben zu gestalten.

Das führt zu einem Kanon objektiver Bildmittel und Gesetzmäßigkeiten,

die wir exemplarisch an einigen Bildbeispielen aufzeigen werden:

 

 

 

 

 

Max Bill

„Vier sich durchdringende Farben“

Quadratisches Bildformat

Gerade Linien

Drehung 90 Grad, automatisches Ende

Keine Ecke bevorzugt

Farbflächengleichheit - Kommunismus

 

 

 

Camille Graeser

„Opus 84,

wieder Quadrat, Farbflächengleichheit

Modul - Technik

Technik

 

 

 

 

 

 

 

 

Vivarelli

Selber sehen

D180

Grundfarbe  3 +  1

Farbflächengleichheit

Zykl. Farbtausch gelb –rot – blau – grün

Unterteilung folgt einfacher Progression

  1 zu 3 zu 3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anton Stankowski

Design Corporate Identity – Ausbruch

Schräge

Wohlproportioniert Pythagoras

1 : 3

Modul

Farbwahl

Farbflächenäquivalenz

 

 

 

Hermann Glöckner

Trotz Faltung

D180

Parallelen

Farbflächengleichheit

 

 

 

 

Karl Duschek

Orthogonale Elemente

D180

4 Grundfarben

Duscheks Bilder konzentrieren den Betrachter auf die allgemeinste Grundlage von Logik und Mathematik:

Auf Beziehungen.

 

Die Beziehungen zwischen den im Bild erscheinenden geometrischen Elementen sind wichtig:

Duscheks Rechtecke gleicher Farbe stehen auf einer gedachten Geraden zueinander in Beziehung

und zugleich korrespondieren sie auch mit den andersfarbigen Gruppierungen:

Sie bilden mit ihnen zusammen ein regelmäßiges Gitter.

 

 

 

 

 

 

 

 

Fassen wir zusammen:

 

 

Konstruktiv - Konkrete Künstler schöpfen aus dem Vorrat der in Mathematik und Logik gültigen Gesetzmäßigkeiten,

um ihre geistigen Vorstellungen so wenig wie möglich von subjektiven Entscheidungen abhängig zu<machen.

 

Ihre Visualisuierungen erlangen dadurch zugleich mehr den Eindruck von Allgemeingültigkeit

 

An Mitteln und Gesetzmäßigkeiten fanden wir hier:

Gerade Linien

Das quadratische Bildformat

Modul

Gleichrangigkeit der Ecken durch Rotationssymmetrie

objektive Farbgestaltung beim Prinzip der Farbflächengleichheit usw.

 

 

So schließt sich für viele Besucher dieser Ausstellung, die aus dem Umkreis der Firma Hager kommen, der Kreis:

Tagtäglich mit dem Umgang mit richtigen,

weil korrekt funktionierenden Schaltungen befasst, konfrontiert die Ausstellung sie mit Kunstwerken, die auf den ersten Blick ihren Alltagsbereich nicht zu tangieren scheinen.

 

Doch zeigt sich bei genügender geistiger Flexibilität und Entdeckerfreude:

Diese zunächst ungewohnt erscheinenden Kunstwerke erweisen sich als auf dem gleichen Fundament aufgebaut:

Dem menschlichen Geist in Gestalt der von ihm entwickelten Logik.

 

So mögen die Bilder der Ausstellung den Betrachtern

hoffentlich zugleich ästhetisches Wohlempfinden (Moles) bereiten

und sie beunruhigen, irritieren, zum Denken anregen und schließlich mit Genugtuung erfüllen,

wenn sie Gedanken,

die des Künstlers "menschlicher Geist"

in das Kunstwerk einbrachte

mit ihrem eigenen "menschlichen Geist" aufspüren.

 

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit

 

 

 

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Formularbeginn

Formularende

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Referat 2005 IV

Universität Straßburg

COPIRELEM

Table Ronde  2005 – 05 – 31

 

Les tableaux de ma présentation :
 
 
 
 
 
I
Les Écoles en Baden - Württemberg
 
Age des enfants:
3   4   5   6   7    8   9   10   11   12   13   14    15   16   17  18
 
Classe: 
            1   2    3   4    5    6    7    8    9    10   11   12   13
 
Type de l’École:
 
Kindergarten:
x   x   x
 
 
Grundschule:  
            x   x    x   x 
  
 
Hauptschule:              
                              x    x   x    x    x    (x)
                                                         
Hauptschulabschluss (examin à la fin, nécessaire par example pour
continuer à l’école des artisans)
 
 
Realschule:           
                              x    x   x    x    x     x
                                                                
    Mittlere Reife  (examin à la fin)
 
 
 
Gymnasium:      
                              x    x   x    x    x      x    x    x    x
                                                                            
               Abitur (Bac.) (nécessaire pour étudier à les universités)
 
 
 
 
En future (?) :
 
Gemeinschafts-                x    x   x    x    x      x
               Schule:         
 
(une ècole intégrée pour les classes 5,6,7,8,9,10), 
(Gymnasium 3 ans en plus , les classes 11, 12, 13 )
 
 
 
II.
 
Organisation dans la GRUNDSCHULE  - école primaire
 
 
 
(organisation nouvelle depuis 2004 en Baden – Württemberg)
 
Écoliers   max.  en  classe :                   31  (33, si necessaire)
 
 
 
Nombre totale d’heures d’enseignement (à 45 min.) 
dans les               
classes 1 – 4 :                                               98*WS
 
 
(veut dire 98 heures de cours par semaine pour un an)
 
 
Nombre d’heures d’enseignement des mathématiques 
dans les classes 1 – 4 : 
                                                              19*WS
 
 
(veut dire :  19 heures de cours des mathématiques par semaine pour un an
- distribuée par l’ enseigneur sur les quatre ans)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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Gymnasium 3 ans en plus , les classes 11, 12, 13 )

Referat 2005 . II

Vernissage der Ausstellung von

Gerhard Birkhofer

am 21. April 2005

in den Räumen der Bausparkasse Schwäbisch – Hall, Schwäbisch - Hall

 

 

Nur einige wenige  Stichworte vor allem zum formalen Aufbau von  vier der besprochenen Werke bzw. Werkgruppen. Spezielle Bemerkungen zu Analogien im Stadtbild von Schwäbisch – Hall und zu aktuellen Bezügen zum Ausstellungsort und zu zeitgleichen Ausstellungen in der Stadt wurden hier nicht mehr mit eingeflochten.

 

 

 

Von Birkhofer liegt ein umfangreiches Œuvre aus mehreren Jahrzehnten und mit wesentlich verschieden Werkgruppen vor.

 

In dieser Ausstellung zeigt er in wesentlichen Arbeiten - Skulpturen und Ölbilder - aus den letzten zehn Jahren.

 

 

Hier wird nicht auf jedes Werk eingegangen, sondern es sollen nur einzelne exemplarisch herausgegriffen werden.

 

 

I. Stelen

Betrachten wir zunächst die drei Stelen in der Raummitte.

Es handelt sich um geschweißte und vom Künstler selbst fein polierte Edelstahlskulpturen.

Auf den ersten Blick bereits fallen die verschiedenen Winkel auf, unter denen die oberen Elemente der Stelen geneigt sind.

 Diese Winkel folgen einem uralten Prinzip, nach dem man bereits vor beinahe tausend Jahre versucht hat, ästhetisch angenehm zu empfindende Objekte herzustellen:

 

Die Fibonacci-Folge.

 

Ursprünglich fand sie der Mönch Leonardo von Pisa, genannt Fibonacci, als er in elften Jahrhundert versuchte, die Entwicklung von Populationen am Beispiel von Kaninchen zu berechnen.

Man kann sich diese Folge leicht selbst entwickeln, indem man mit zwei Einsen beginnt und dann jeweils die folgende Zahl als Summe ihrer beiden Vorgänger berechnet:

1 , 1 , 1+1=2,       1+2=3 ,         2+3=5,        3+5=8....

 

Die Teilstücke der einzelnen Stelen sind nach diesen System unter progressiv wachsendem Winkel abgewinkelt.

 

Darüber hinaus erkennen Sie leicht,  dass die Abschnitte der Stelen verschieden groß sind, auch sie unterliegen der Gesetzmäßigkeit der Fibonacci-Folge: ihre Länge beträgt das 3,5,8 - fache eines wiederum von Künstler festgelegten Ausgangstückes.

 

Diese drei Stelen sind also bis auf den durch den Künstler subjektiv festgelegten Ausgangswinkel und das Ausgangsstück in allen Details festgelegt.

 

Sicherlich spüren auch Sie die durch die Gesetzmäßigkeit gegebene Ausgewogenheit dieser drei Stelen.

 

 

 

II. Bild  (An der rückwärtigen Stirnseite des Ausstellungsraumes)

 

Wir sehen ein großformatiges Bild vor uns, das aus vier voneinander isolierten Einzelteilen besteht, von denen sich je zwei zu einen eigenen Bild gruppieren lassen.

 

Das Bild ist wie viele der hier gezeigten Arbeiten gekennzeichnet durch ein ausgeklügeltes Verhältnis zwischen technischer und visueller Korrektheit und künstlerischer Störung derselben, die zur gezielten Verunsicherung des Betrachters führt:

 

Drei Quadratgitter gleicher Größe sind einander überlagert.

 

Aber während die Konstruktion korrekt ist, ist die Farbfolge irritierend gewählt: Das oberste Gitter ist hell,  das darunter liegende Dunkel  und das unterste in einem mittleren Grau gemalt und widerspricht damit unseren Erfahrungen, nach denen Farbabstufungen sich kontinuierlich entwickeln.

 

 

Diese Irritation des Betrachters wird auf verblüffende Weise dadurch relativiert, dass alle drei Raster in exakter Weise Schatten werfen.

 

Doch diese Exaktheit wird wiederum gestört, indem der Künstler für den Betrachter zunächst nicht erkennbar –

-         die gemalten Raster aus zwei verschiedenen Richtungen beleuchtet. Am linken Bildende von links unten und am rechten Bildende von rechts oben.

 

Nicht genug damit: Fast unmerklich ändert er die Farben des obersten und des untersten Rasters von links nach rechts fortschreitend, sodass Stellen auftreten, an denen hell vor dunkel liegt und andere an denen dunkel vor hell auftritt.

Flächig in das Bild eingelassen sind zwei gleich große Rechtecke, deren Schatten einander entgegen laufen - im Widerspruch zu unseren Erfahrungen aus der Umwelt.

 

Fassen wir zusammen:

Auf den ersten Blick scheinen wir vor einen Kunstwerk zu stehen, dass geradezu ideal - oder wenn man an die kreative Unruhe beim Betrachter denkt - überhaupt nicht zu dem Gebäude passt,  in dem es hier hängt: Es scheint nicht anderes zu zeigen als Gerüste und Häuser in Gerüstbauweise, wie sie die Mitarbeiter und Kunden einer Bausparkasse täglich vor sich sehen:

 

Das unterstützt der Künstler noch indem er Ordnungsprinzipien intensiv einsetzt:

horizontal - vertikale Netze

formale Drehsymmetrie um 180 Grad,

pseudotechnische Farbe Blau.

 

Der Betrachter nimmt

unbewusst die falschen Farbfolgen zwischen den Gitternetzen und die eigentlich unerlaubten Richtungswechsel der

( Parallellicht-)Beleuchtung in einem einzigen Bild auf.

 

Diese Spannung zwischen einem scheinbar technisch reellen Bild  gekoppelt mit der Verunsicherung ist der Grund dafür, dass wir auch nach dem ersten scheinbar spontanen  Erkennen des Bildes es doch immer wieder ansehen.

 

 

III. Raumbilder (an der Stellwand an der Stirnseite am Eingang)

 

Raumbilder heißt eine andere Werkgruppe von Birkhofer,   von der wir hier zwei Exemplare sehen.

 

Ein scheinbar völlig regelmäßiges Raumgitter wird von einer parallel strahlenden Lichtquelle beleuchtet. Alles wäre „in Ordnung“, fehlten nicht entscheidende Teile dieses Gitters: An manchen Stellen wird es nicht fortgesetzt , wie wir es selbstverständlich erwarten würden: Wir sehen zwar nicht unmögliche Figuren, wie wir sie zum Beispiel von Albers kennen, aber sie erscheinen uns dennoch nicht logisch und sinnvoll , weil wesentliche Teile fehlen. Das trifft für die beiden hier gezeigten Bilder zu.

 

 

 

IV  Großformate ( im Hauptraum rechts).

In einem der Bilder überlagern sich vier für sich jeweils regelmäßige Gitter, wobei von Gitter zu Gitter die Elementgröße nach hinten hin abnimmt und dadurch eine Pseudo-Perspektive suggeriert.

Die Elemente sind jeweils parallel zu ihren Gitterkanten angeordnet - was zu einer hohen optischen Redundanz in dem Bild führt.

Insgesamt ergibt sich aus

der in sich logischen Farbfolge unter den Gittern,

der weitgehend achsensymmetrischen Anordnung der Elemente

und den in ihnen vorhandenen orthogonalen Unterteilungen

auf der einen Seite

und auf der anderen Seite

den verschiedenen Winkeln,

Elementgrößen,

den angeschnittenen Flächen und Elementen
ein Verhältnis zwischen Ordnung und Unordnung, das zu einem für Künstler und Betrachter „ansehnlichen“ Kunstwerk führte.

 

Im zweiten Bild leuchtet dagegen eine Punktlichtquelle, und die Abmessungen der Elemente bleiben in die Bildtiefe hinein entgegen unseren Erfahrungen konstant.

 

 

V. Stelen am Eingang zur Cafeteria

Hohe Stelen ergänzen diese Ausstellung und zeigen uns noch einmal deutlich die Fähigkeiten des Künstlers, uns in seinen Kunstwerken durch sein Spiel zwischen technisch-objektiver Korrektheit und künstlerisch-subjektiven Entscheidungen zu fesseln:

Alle _Stelen beginnen mit einen quadratischen Grundriss, aus dem sich vier gleich große quadratische Säulen lösen, an Stellen , die der Künstler willkürlich festlegt aber unter dem aus der Technik geläufigen Winkel von 45 Grad.

Ebenfalls willkürlich, ohne jede Gesetzmäßigkeit, kehren die vier Teile wieder unter dem gleichen Winkel ins Zentrum zurück oder enden einfach im Raum.

Auch hier erleben wir, bedingt durch

die quadratischen Grundrisse,

die senkrechten quadratischen Säulen,

die scheinbar technisch begründeten Winkel und

die symmetrische Anordnung der Elemente,

dass  ein scheinbar realer Bezug kombiniert mit subjektiven , kreativen Einzelentscheidungen des Künstlers zu ansehnlichen, weil für den Betrachter genügend unruhigen Kunstwerken führt.

 

 

Gerhard Birkhofer ist 1947 in Ravensburg geboren,

 studierte Kunsterziehung an der Pädagogischen Hochschule Freiburg,

und gehört deren Lehrkörper seit 1981 an.

 

Gerhard Birkhofer ist verheiratet und lebt und arbeitet in Gottenheim bei Freiburg

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                              Sommersemester 2004

                        Hauptseminar:  Mathematik und Kultur

                                                                                                        Di 18 – 20 Uhr
                                                                                 (Gäste und Senioren-Studenten willkommen)

 20. April:
Kunst - Konkrete Kunst
max bill
             Victor Vasarely
Veronika Ringelmann
            
 
27. April
Architektur  in Berlin  
Reichstag - Herr Schweizer
Bundespräsidialamt - Matthias Klotz
Ludwig – Erhard – Haus -  Guderian
         


4. Mai
Kunst
Voraussichtlich : Unendlich - Endlich Guderian

   Goldner Schnitt
         Miriam Leonardo  (Neuer Termin eventuell)

11. Mai
Kunst – Zahlen, Arithmetik
Mario Merz
             Carolin Bleichert
Rune Mields
             Margiet Wagenhöfer

Alfred Jensen
            Noch frei

18. Mai   
Poesie
Eugen Gomringer
              Noch frei
Al. Boetti – Tafeln, Lücken
              Noch frei

25. Mai
Architektur in der Region
St. Cyriak  in Sulzburg
                Noch frei
Freiburger Münster
                Nadine Bauer
                Stephanie Meixner

 Pfingstpause


8. Juni
Design
Stankowski – Duschek
                Stefanie Waßmer
Internet – homepage
               Noch 2 Plätze frei frei

15. Juni
Reden z.B. Gerhard Schröder – Walter Jens
 Sprachstatistik
               Stefan Kobelt
              Noch ein Platz frei 

22. Juni
Musik
Zwölftonmusik
              Noch ein Platz frei
Serielle Musik
             Holger Wachtmann 

29. Juni

Architektur in der Region
Vitra – Museum Weil
Zahid – Ando - Gehry
                         Katharina Harter
                         Noch ein Platz frei

6. Juli
Kultur des Islam
Architektur
                        Daniel Heinz
Ornamentik
                       Carola Ehret 

13. Juli
Kunst
Peter Staechelin - Freiburg und  Wörn - Sulzburg
                        Noch frei
Interaktive Computerkunst - ZKM - Karlsruhe
                       Noch frei
Karl Duschek
                       Nina Geschke

20. Juli

Abschlußveranstaltung

 




Hauptseminar: Anwendungsorientierter Mathematikunterricht

                                                     Sommersemester 2004 , Donnerstag 14 – 16 Uhr

 22. April
Fächerverbindender Unterricht
Mathe –Kunst
                      Maren Reinhardt
Mathe – HuS
                      Joanna Behr
                      Stefanie Saur

29. April
 Projektunterricht
Projekt 1 - "Kamele"-Projekt nach Holzäpfel
                    Urs Schwäble
Projekt 2
                   Andreas Rabe

6. Mai
 Fünftes Schuljahr
Familiengeschichte – Ortsgeschichte - Herkunft - Stammbaum
                   Marta Mikolap
                    Jacqueline Ritzenthaler

13. Mai:
 Eingangsstufe
Schulweg
Schulgarten
                    Prange
                    Villoth
                    Albert

27. Mai
Sechstes Schuljahr
Ernährung
                   Kutterer
                   Korschew
                   Kießling

17. Juni
 Kindergarten
Orientierung im Raum
                    Bieling
                    Schwab
                    Rösch

24. Juni
Siebtes Schuljahr
Der eigene Körper
                    Thomas Blattel
                    Andreas Zeibert

1.Juli
 Drittes Schuljahr
Schulstatistik
                      Stefanie Kienzler
                      Stefanie Sauerbier

8. Juli
Achtes Schuljahr
Lebensplanung – Familienplanung – Ortsgebundenheit
                      Noch zwei Plätze frei

15. Juli
Viertes Schuljahr
Benimm-Unterricht
                      Angela Birg 
                      Leonardo Lanciano

22 Juli
Neuntes Schuljahr
Bewerbung – Eigene Vorteile hervorheben
                      Noch zwei Plätze frei
Abschluß


                     „Bilingualer Mathematik – Unterricht
                                   französisch - deutsch"

       gemeinsam mit Herrn Yves Schubnel (IUFM Franche - Comté)


                 "Mathematikunterricht im 1. - 4. Schuljahr"

21.4 Einführung der Zahlen - Modelle (insbesondere Größen-,Kardinalzahlmodell)

28.4. Addition  - Darstellungsformen (enaktiv, ikonisch, symbolisch) , Bruner

12.5. Subtraktion - Dienes' sche Prinzipien (Variation der Fragestellung, Mathematische Variabilität)

19 5. Geometrie

 

                                                            Wintersemester 2003 / 2004

Fachdidaktisches Hauptseminar im WS 2003/2004

Mathematik und Kunst

Montag 18  – 20 Uhr Raum IV 301

Beginn der Veranstaltung am 13. Oktober.

 

Programm:

Montag, den 13. Oktober Zahlen

Referenten: Gäser, Pfeffer

Montag, den 20. Oktober Tafeln

Referenten: Kalisch, Matthies

Montag, den 27. Oktober Progressionen

Referenten: Dreste , Stockebrand

Montag, den 3. November Topologie

Referenten: Willaredt, Weidlich

Montag, den 10. November Ebene Geometrie

Referenten: Rapp, Greth

Montag, den 24 November Räumliche Geometrie

Referenten: Heckmann, Saur

Montag, den 1. Dezember Endlich – Unendlich

Referenten: Münster, Rosenstock

Montag, den 8. Dezember Spezielle Funktionen - Lemniskate

Referenten: Diringer, Beuter

Montag, den 15. Dezember Pseudo

Referenten: Mecus, Schmid

Montag, den 12. Januar Aleatorik

Referenten: Bank, Hunger

Montag, den 19. Januar Chaos

Referenten: Zielfeld , Ginter

Montag, den 26. Januar Fraktale Geometrie

Referenten: Borgers, Weingart

Montag, den 2. Februar Displacement

Referenten:

Montag, den 9. Februar Schlußsitzung

Referent: Guderian: Bericht über eine in Besancon geplante Ausstellung und (evtl.) über Mathematik in wichtigen Ausstellungen

des vergangene Jahres.


Am 15. Januar 2005 eröffne ich im           GRIFFON in Besancon

eine von mir konzipierte Ausstellung mit Künstlern aus Deutschland und Frankreich, deren Arbeiten mathematische Iddeen bergen. Die Themen: Algorithmus,

Labyrinth, Konkrete Kunst, Farbform-Untersuchung,  Neue Medien und Kunst werden gestreift.

(Die Studierenden Novotny-Kaufmann, Schneider, Milesi, Mittermaier, Haben, Pasova werden noch Referate bzw. Ausarbeitungen übernehmen.)

 

 

. Guderian / Y. Schubnel

Die Veranstaltung „Bilingualer Mathematik – Unterricht"

                                                                                    Montag  14  -  16  Uhr

wird für alle Hörer geöffnet. Französisch – Kenntnisse sind nicht Voraussetzung. Es werden exemplarische Themen zum

                                       Mathematik – Unterricht im 3. und 4 . Schuljahr

behandelt. In der Veranstaltung können Seminar- , ELA- und Bilingual - Scheine erworben werden.

 

Programm

20.10. Einführung

27.10. Schriftliche Addition ( Schubnel)

3.11.   Schriftliche Addition im 3. Schuljahr

10.11. Größenbereiche Rauminhalte, Geld

17.11. Größenbereiche Zeit, ... (Schubnel)

24.11. Schriftliche Multiplikation im 4. Schuljahr

           Referent: Andreas Schulz

1.12.  Sachrechnen

8.12.  Sachrechnen (Schubnel)

15.12.Geometrie im 4. Schuljahr

12.1.  Referat Frau Pasova : Schriftliche Rechenverfahren in Rußland

19.1   Schriftliche Rechenverfahren in Frankreich (Schubnel)

26.1. Schriftliche Subtraktion im 3. Schuljahr

2.2. Ebene Geometrie im 3. Schuljahr

9.2. Ebene Geometrie in Frankreich

      Schlussveranstaltung mit Herrn Schubnel

 

)

Am Freitag, den 19. September eröffnete ich  im Museum für konkrete Kunst in Ingolstadt die Ausstellung
                                                              JAN VAN MUNSTER

mit interessanten Licht- und Eisinstallationen. Lohnt sich für Mathe-Studenten auch, insbesondere für Hörer des fachdidaktischen Hauptseminars.

 

 

 

In der Galerie Wörn in Sulzburg - Hauptstr. 29   ( Tel.07634 69307) habe ich eine Ausstellung mit Arbeiten von

                                                                      Karl Duschek

(Stuttgart) eröffnet, die noch bis zum Jahresende zu sehen sein wird.